Irène Mélix

TAUSCHE BRAUTKLEID GEGEN REVOLVER
versteht sich als temporäre öffentliche Forschungsstelle. Auf unterschiedlichste Weisen stehen die Tätigkeiten des Sammelns und Erzählens zur Diskussion.

Für das Wochenende ist die „FRAU AUFM BUCH“- Sammlung der Privatsammlerin Julia Kuzminska zugänglich. Es handelt sich dabei um eine weltweit einzigartige private Forschungsbibliothek, die mittlerweile 243 Exponate umfasst. Seit die passionierte Spaziergängerin 2013 ihre ersten Exponate Ärzte und Frauen sowie Der Henker und die Frauen fand, zieht sie von Bücherschrank zu Bücherschrank, baut ihre Sammlung zunehmends auf, erschließt sie systematisch und (er)findet Zusammenhänge und Kategorien. (Frauen und Zahlen, Frauen und Adjektive, Frauen und Berufe, Frauen unterwegs). Sie sind herzlich eingeladen, die Gelegenheit für vergleichbare Forschungen am Medium verstoßenes Buch zu nutzen, die weltweit umfangreichste „FRAU AUFM BUCH“-Sammlung zu durchforsten und in selbst ernannten Fachkreisen zu diskutieren. Es darf gestritten, kategorisiert und wieder verworfen werden. Weitere Exponate können live in die Forschungs-
bibliothek aufgenommen werden.

Pablo Walser hat zusammen mit Julia Gutekunst und Hans Seidl einzelne Buchtitel malerisch umgesetzt. Um Missverständnissen vorzubeugen sind die Bilder mit dem Titel beschriftet. Weitere Anmerkungen, Querverweise, persönliche Lieblingsstellen oder Buchkritiken der ersten Seite werden allerdings erst unter Schwarzlicht sichtbar.

Irène Mélix gewährt Einblicke in ihr seperates Rechercheprojekt. Ausgangspunkt bildete die Frage, ob die Bücher der „FRAU AUFM BUCH“ Sammlung tatsächlich etwas über ‘Frauen’ erzählen, oder vielmehr über die Schreiber_innen, die über ‘Frauen’ schreiben? Erzählen sie etwas über das Patriarchat an sich? Und wie kommt es zu der unangenehmen heterosexuellen Zweigeschlechtlichkeit?
Im Rahmen ihrer Recherche beschäftigt sich Irène Mélix seit einiger Zeit mit europäischen Romanen der 20er Jahre, die von lesbischem Leben, homosexuellen Identitäten und deren gesellschaftlichen Bedingungen erzählen. Über Lesung, Archivmaterial und ausgesuchte Textstellen wird ein erster Einblick in das Recherchevorhaben gewährt.

Ihr Dank geht an das SPINNBODEN Archiv Berlin. Das Spinnboden ist die größte Sammlung von Zeugnissen und Spuren lesbischer Existenz europaweit.

EX14, Dresden


TAUSCHE BRAUTKLEID GEGEN REVOLVER (bartering wedding dress for revolver)
is a temporary public research institution. In various ways, practices of collecting and narrating are discussed.
For the entire weekend, the “WOMEN ON BOOKS”-collection of the private collector Julia Kuzminska will be opened to the public. This is a worldwide unique research collection that includes already 243 exhibits. Since the collector, who is also a passionate stroller, found her first exhibits during a walk in 2013 named “Doctors and women” and “The Hangman and the women”, she continued from shelf to shelf, developing her collection and systematically categorizing it (women and numbers, women and adjectives, women and professions, women on the road). Visitors are very welcome to use the possibility for researches in the field of expulsed books. You are invited to search through the largest “WOMEN ON BOOKS”- collection worldwide and discuss various topics in self-proclaimed circles of experts. Arguing, categorizing and rejecting is allowed. Additional exhibits can be added to the research collection live on the spot.
Pablo Walser translated together with Julia Gutekunst and Hans Seidl several titles with the means of painting. To prevent misunderstandings, the paintings will be labelled with the titles. However, additional notes, comments, cross references, personal favourites or critics will be only visible under black light.
Irène Mélix gives an insight in her separate research project. Starting point for this research was the question, whether the “WOMEN ON BOOKS”-collection really tells anything about women or, in fact more about the writers that write about women? Do they tell us something about patriarchy per se? And how does this uncomfortable heterosexual binarity happen to be? Within her research, Irène Mélix has been dealing with lesbian fiction from the 20s for some time. This fiction speaks about lesbian life, homosexual identities and their social conditions. Based on a lecture, archive material and quotations a first insight into the research will be possible.
She wants to especially thank the Spinnboden archive Berlin. The Spinnboden is the biggest collection of traces of lesbian identity in Europe.